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 Munderkingen Die Stadtgeschichte

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Wir recherchieren und betreiben Heimatforschung

Der Geschichtsverein Raum Munderkingen e.V. betreibt Heimatforschung. Vereinsmitglieder gehen auf Suche um die Stadtgeschichte so detailiert wie möglich zu dokumentieren. 

 

 Historische Ereignisse in Munderkingen

Wichtige geschichtliche Ereignisse für Sie zusammengefasst. Wir haben historisch wertvolle Vorkommnisse für Sie zusammengefasst. Diese Sammlung wird stetig erweitert und komplettiert. Haben Sie Fragen oder gar Informationen für uns, dann schreiben sie uns KONTAKTFORMULAR  

Jahr 792

erste urkundliche Erwähnung

Die erste urkundliche Erwähnung datiert vom 9. August 792, also zur Zeit Karls des Großen, in der die Muntharihes–huntari genannt ist. Diese Huntari war um 830 verhältnismäßig klein und umfasst das Gebiet bis Allmendingen im Norden, Griesingen und Risstissen im Osten, Kirchbierlingen im Süden und Munderkingen im Südwesten. Auch in der nächsten Urkunde vom 17. März 892 ist vom Gau Munteriheshuntare (Mark oder Herrschaftsgebiets eines Gaugrafen) die Rede. Erst nach der Aufteilung der Focholtsbaar erhielt die Huntari den angrenzenden Teil bis zur Linie Bussen/Marchtal. 

Es ist ohne weiteres als sicher anzusehen, dass der Name Hutarihes-huntare und Munderkingen (früher auch Munderichingen und Mundrichingen geschrieben) auf einen gemeinsamen Ursprung (Munthariches) zurück geht.

961

Erwähnung von Muntricheshuntare

Aus dem 10.bis 12. Jh. sind Urkunden (aus dem Kloster St. Gallen) von 961 und 980, in denen von der Grafschaft Muntricheshuntare und vom Gau Mundericheshundera die Rede ist. 

Das 12. und 13. Jahrhundert war die Zeit des Burgen- und Städtebaus. Die staufischen Städtegründungen wurden allenthalben von den kleineren Landesherren nachgeahmt. Munderkingen  muss um die Mitte des 13. Jahrhunderts Stadt geworden sein. In einer Urkunde von 1266 ist von den Herren von Emerkingen in ihrer Stadt Munderkingen die Rede. In einer weiteren Urkunde von 1281 bezeichnet sich ein Eberhard Mont von Hayingen als Bürger in Munderkingen und in einer weiteren Urkunde von 1290 überträgt Graf Ulrich von Helfenstein Rechte zu Ringingen und Sießen dem Benediktinerkloster St. Johann zu Blaubeuren, und zwar „zur Besserung des großen Schadens, den es unseretwegen in der Stadt Munderkingen empfangen hat“. Stadtgründer von Munderkingen sind wohl die Herren von Emerkingen gewesen. Diese werden von einem Zwiefalter Geschichtsschreiber als Nachkommen der Munderkinger Gaugrafen bezeichnet. 

1291

verpfändung an das Haus Österreich

Die Geschichtsforschung geht davon aus, dass die Städte Mengen, Riedlingen und Munderkingen Gründungsstädte sind und nicht nur zu Städten weiterentwickelte Dörfer. Bei Munderkingen vermutet man, dass die im Westen vorgelagerte Siedlung „Vorstadt" die ursprüngliche Siedlung sein könnte. Die Lage Munderkingens, auf dem von einer Donauschleife umflossenen Felsen, macht den strategischen Charakter der Stadtgründung deutlich. In der Zeit zwischen 1291 und 1297 haben die Herren von Emerkingen Munderkingen an das Haus Österreich verpfändet und schließlich 1303 verkauft. 

Schon 1297 wird Munderkingen von Herzog Albrecht I. als seine Stadt benannt. Bald nach seiner Wahl zum König stattete Albrecht I. im Jahr 1300 der Stadt einen Besuch ab. Auch sein Sohn der spätere Kaiser Friedrich der Schöne, weilte 1303 in den Mauern der Stadt. Diese Besuche zeugen von der Bedeutung und  dem Ansehen, das die Stadt damals hatte. Oftmals ergaben sich Gelegenheiten zu Gunstbezeugungen, zur Verleihung von Rechten, Freiheiten, Privilegien und Auszeichnungen für die Stadt, ihre Beamten und die Bürgerschaft. 

1375

Aufhebung der Leibeigenschaften

1375 gewährte Herzog Leopold, dass alle Leibeigenschaften aufgehoben und jedem Bürger freier Abzug gestattet werden soll. Er versprach der Stadt auch, als er sie an den Grafen von Helfenstein verpfänden musste und die Stadt sich auf eigene Kosten wieder einlöste, dass er Munderkingen nicht mehr verpfänden werde.

1379

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1379  dieses Versprechen mit neuen Privilegien und bestimmte 1379, dass kein Bürger der Stadt Munderkingen vor ein auswärtiges Gericht gezo-
gen und die Stadt selbst offene Ächter beherbergen dürfe. 

1384

Aufhebung der Leibeigenschaften

Doch  schon 1384 wurde Munderkingen mit Mengen und Riedlingen dem Truchseß Hans von Waldburg für 3.000 Goldgulden verpfändet, wobei die alten Rechte, Gnaden und Freiheiten aber belassen werden sollten. Munderkingen blieb nun mit geringen Unterbrechungen fast 3OO Jahre lang bei den Herren von Waldburg, die mehrfach auch in Munderkingen wohnten. 

1417

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1417 rebellierten in Munderkingen die Bürgerschaft gegen den Truchseß „Hans mit den 3 Frauen", während die anscheinend truchsessisch gesinnte Stadtobrigkeit, nämlich Amann, Bürgermeister, Rat, Stadtschreibern und Büttel  vor der erregten Menge aus der Stadt flohen. Die Stadt schloss die Tore vor dem Truchsessen, ließ sich aber dann durch Vermittlung anderer Herren wieder beschwichtigen. Für diesen Aufruhr wurde eine Strafe und Buße festgesetzt, die Munderkingen anscheinend nie bezahlt hat. Jedenfalls stand sie 1415 noch aus.

Aber Munderkingen behielt durch Anerkennung seitens aller Kaiser und Herzöge von Österreich seine nicht unbeträchtliche; Rechte und Freiheiten, zu denen bereits 1405 die Erlaubnis Herzog Friedrichs zum Bau eines Kauf- und Rathauses, 1417 das von König Sigismund verliehene Recht eines Jahrmarktes und 1442 die Verleihung des Blutbannes kamen. Damit übte das Stadtgericht die Hohe Gerichtsbarkeit aus und konnte durch Mehrheitsurteil zu Leib- oder Lebensstrafen verurteilen, aber auch begnadigen. Belehnt wurde mit dem Blutbann in der Regel der Ammann, der ihn für die Stadt  und für die Stadtherren ausübte. Die Städte waren so in Besitz der vollen richterlichen und polizeilichen Gewalt. Die Blutbann-Urkunde von 1447 hat folgenden Wortlaut: 


„Wir, Friedrich, römischer König von Gottes Gnaden verleihen unsern getreuen, lieben Bürgern der Stadt Mundriching kraft dieses Briefes die besondere Gunst, schädliche Leute und Personen,-Mörder, Brenner, Räuber, Diebe öder wie sie alle genannt werden, die öffentlich oder heimlich schädlich sind, falls der größere Teil des Rates zu Mundriching es auf Eid und Gewissen nimmt zu urteilen, dass sie schädliche Leute sind und besser tot als lebendig, wegen ihrer Missetaten mit dem Tode zu bestrafen. Wenn der Rat nicht in der Lage sein sollte, auf Eid und Gewissen das Todesurteil zu fällen über einen Missetäter, so soll er die Befugnis haben, die schädlichen Leute anderweitig am Leibe zu bestrafen, dass sie mit Ruten ausgeschwungen werden, dass ihnen die Augen ausgestochen, die Ohren abgeschnitten, die Zunge ausgerissen werde. Dazu setzten wir für die österreichische Stadt Mundriching einen eigenen Ammann ein, der das Recht hat, den Bann über das Blut, das heißt über Leben und Tod  auszuüben.  Gegeben zu Nürnberg nach Christi Geburt 1447, im 3.Jahre unserer Regierung." 

Dass dieses Privileg nicht nur theoretischen Charakter hatte, ersieht man daraus, dass von 1541 bis 1684  30 Personen zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden. In dieser Zeit waren auch die Hexenverfolgungen. Unter den zum Tode Verurteilten sind auch solche, die dem Hexenwahn zum Opfer fielen.

1454

1454 wurde den Truchsessen die Pfandschaft unwiderruflich zugesichert. Durch Anleihen machte sich Munderkingen von den Waldburgern immer möglichst unabhängig.

1516

1516 wurde Munderkingen eine der 4 österreichischen Direktorialstädte (Ehingen, Rottenburg, Radolfzell und Munderkingen). Seine Verfassung und Verwaltung war dieselbe wie in 
der Nachbarstadt Ehingen. 

1560

1 560  erklärte sich in Munderkingen die Ritterschaft zu einem unmittelbaren Reichskörper und stellte ihre Freiheiten fest, die Kaiser Ferdinand I.  1561  feierlich bestätigte.

1580n

1580   musste Erbtruchseß Karl wie in Riedlingen auch in Munderkingen die Erbhuldigungen mit Gewalt erzwingen. Erst 1680 konnte Osterreich die Pfandherrschaft wieder einlösen, wobei jedoch die verpfändeten 5 Donaustädte (Munderkingen, Waldsee, Riedlingen, Saulgau und Mengen) den Lösepreis fast ganz selbst tragen mussten. Munderkingen gehörte zu den sogenannten,,Donaustädten", nämlich Riedlingen, Saulgau, Mengen  und Waldsee. Bereits im 13. Jahrhundert wird im Güterbuch der Stadt Mengen von einem Bündnis der Donaustädte gesprochen. 1511 und 1570 wurde der Vertrag erneuert und auf gemeinsame Ratspflege und auf genaue Bestimmungen für gegenseitige Kriegshilfe erweitert.

1595

1595 sprechen die Städte von sich als den ,vier kopulierten Donaustädten" und 1612 von den  vier österreichischen konföderierten Städten Riedlingen, Saulgau, Mengen und Munderkingen". Noch 1683, als die Pfandherrschaft schon zu Ende war, verbanden sich die 5 Donaustädte zu gegenseitiger Hilfe gegen die Truchsessen.

m Unterschied zu den permanenten Reibereien der Donaustädte mit ihren Pfandherren blieb ihr Verhältnis zu Osterreich meistens ungetrübt. Diesem Hause verdankten sie nicht  nur ihre Privilegien und Freiheiten, an ihm fanden sie auch in den Jahrhunderten der Verpfändung Stütze und Halt gegen die Machtansprüche und Übergriffe der Pfandherren; letztlich war Österreich immer noch der Stärkere, der den Städten nicht nur die größere Freiheit ließ, sondern es sich auch leisten konnte, über manches hinwegzusehen, was die Pfandherren als Affront betrachteten. Österreich suchte dieses gute Verhältnis ebenfalls zu erhalten, wie auch die Städte ihrerseits nicht müde wurden zu betonen, dass Österreich ihr eigentlicher Herr sei.

1680

Nach der Rückkehr der Städte zu Österreich im Jahre 1680 begann für die Stadt Munderkingen eine neue Ära. Die Lage der Stadt selbst war nicht gut, große Schulden zerrütteten die Finanzen, Missstände im Inneren machten sich breit. 1690 wurde eine eigene Aufsichtsinspektion für die 5 Donaustädte geschaffen. Aber weder auf diesem Weg noch durch Reformen im Staatlichen Verwaltungsaufbau war dem Übel beizukommen. Eine kaiserliche Verordnung unterstellte die bis dahin außerhalb des Verwaltungsorganismus stehenden Städten den Oberämtern, wobei Munderkingen mit Riedlingen und Waldsee der Landvogtei Schwaben (Oberamt Altdorf-Weingarten) zugeteilt wurde. Durch den Brünner Vertrag und Preßburger Frieden von 1805 wurde Munderkingen von Österreich an Württemberg abgetreten, am 25.06.1806 förmlich und 1807 schließlich wurde die Stadt dem Oberamt Ehingen zugeteilt, blieb jedoch von 1809 bis 1817 ein eigenes Unteramt.

1632

zu den kriegerischen Vorkommnissen:

Von kriegerischen Ereignissen aus ältester Zeit ist nichts bekannt. Seit Munderkingen unter österreichischer Herrschaft stand (1291), konnte es bis es zum Beginn des 16. Jh. eine ununterbrochene friedliche Entwicklung nehmen. In der folgenden Zeit aber konnte die Stadt den Kriegswirren nicht mehr entgehen, vor allem im 3ojährigen Krieg wurde die Stadt wiederholt von den verschiedenen Parteien besetzt. 1632 rückte Herzog Bernhard von Weimar mit 1500 Mann in die Stadt ein. 1633 bezog der Schwedengeneral Horn sein Hauptquartier in Munderkingen. 1646 zog auch General Wrangel in die Stadt ein und nahm, wie alle Heerführer im Stadtpfarrhaus Quartier. Nach alten Rechnungen hat der 30jährige Krieg Munderkingen mehr als 260.000 M gekostet. Die Stadtmauer war eingefallen, kein Haus  mehr unbeschädigt und die Bevölkerung, die durch wiederholte Seuchen sehr dezimiert wurde, dem Hunger und Elend preisgegeben. Während der Regierungszeit Ludwig des XIV. drangen 1688 rd. 900 Franzosen bis nach Munderkingen vor und schleppten den Bürgermeister und seinen Stadtschreiber nach Freiburg mit, weil nicht alle Forderungen befriedigt wurden.

1704

Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701 – 1714) musste Munderkingen 80.000 fl (Gulden) aufbringen. 1704 erschien der Franzosengenaral Blainvile von Ulm aus vor Munderkingen. Die ungefähr 12000 Mann starke städtische Besatzung hatte als Schutzmaßnahme die Gottesackerkapelle mit Friedhofsmauer niedergelegt und auch 2 Joch der Donaubrücke abgebrochen. Bei einen Angriff der Franzosen gegen die Kaiserlichen in der Stadt fiel Herzog Christian von Braunschweig-Lüneburg. Nach der Schlacht bei Höchstädt/Donau im August 1704 wurde Munderkingen erneut von den Fliehenden übel heimgesucht. 

1712

In den Jahren 1712 und 1713 wurden Truppen des Kurfürsten von Bayern hier einquaritert. Dabei residierten der Kurfürst von Bayern, wie auch sein Verbündeter, der Franzosengenaral Villars, im Pfarrhof. Ebenso wie der kaiserliche General Latkur, der zwischendurch die Stadt besetzte. 

1796 marschierten 20.000 Franzosen durch die Stadt. Diese geschichtliche Episode hielt der Munderkinger Dichter Karl Weitzmann in seiner bekannten „Belagerung von Munderkingen“ in schwäbischer Mundart fest. 

1799

1799 kamen Russen unter Korsakow durch Munderkingen.

1800

Von 1800 bis 1801 war die Stadt wieder von Franzosen besetzt, bis dann nach Beendigung dieser Kriegsereignisse ab 1805 die Stadt durch unmittelbare Feindeinwirkung keinen größeren Schaden mehr erlitten hat.

1945

Nur während des letzten Krieges fanden im April 1945 noch kleine Kampfhandlungen statt, wobei einige Häuser in Flammen aufgingen und die schöne Donaubrücke gesprengt wurde.

aus:  Festzeitschriften zum 100järigen Bestehen des Liederkranzes in 1988  und   der Festschrift zu „150 Jahre Volklsmusik“ im Juni 1958 
Zusammengefasst von Hermann Lang im Juli anno 2016